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- Einleitung
- Kindheit
- 1. Unser Lehrer Karl Iwanowitsch
- 2. Mama
- 3. Papa
- 4. Was mein Vater für ein Mann war
- 5. Das Klassenzimmer
- 6. Der Narr
- 7. Vorbereitungen zur Jagd
- 8. Die Jagd
- 9. Spiele
- 10. Etwas wie eine erste Liebe
- 11. Die Musik
- 12. Ljubotschka
- 13. Grischa
- 14. Im Verschlag
- 15. Natalie Sawischna
- 16. Die Trennung
- 17. Die Kindheit
- 18. Verse
- 19. Die Fürstin Kornakowa
- 20. Fürst Iwan Iwanowitsch
- 21. Iwins
- 22. Die Gäste kommen
- 23. Vor der Mazurka
- 24. Die Mazurka
- 25. Nach der Mazurka
- 26. Im Bett
- 27. Ein Brief
- 28. Was uns auf dem Lande erwartete
- 29. Trauer
- 30. Weitere, die letzten traurigen Erinnerungen
- Beilage I.. Zu Kapitel 8: »Die Jagd«.. Was ist an der Jagd mit Hunden schön
- Beilage II.. Fortsetzung des Kapitels 26: »Im Bett.«
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- Beilage I.. Zu Kapitel 8: »Die Jagd«.. Was ist an der Jagd mit Hunden schönBeilage I.. Zu Kapitel 8: »Die Jagd«.. Was ist an der Jagd mit Hunden schön
Beilage I.. Zu Kapitel 8: »Die Jagd«.. Was ist an der Jagd mit Hunden schön
Warum wird die Jagd mit Hunden, dieses unschuldige, gesundheitfördernde, schöne, anziehende Vergnügen von den meisten Stadt- und Landbewohnern so verachtet? »Mit Hunden jagen« sagen die Städter; »Hasen hetzen« die Landbewohner. Was ist Schlimmes dabei? Wem bringt es Schaden? Da wird gesagt: man ruiniert sich, man richtet sich zugrunde! – Es kommt dem Gutsbesitzer weit billiger, sich das ganze Jahr eine ordentliche Jagd zu halten, als zwei Herbstmonate in der Residenz, in einer Gouvernements- oder Bezirksstadt zuzubringen. Er würde diese zwei Monate aus Langerweile sicher dort zubringen, weil er während dieser Zeit auf dem Lande nichts zu tun hat. Zugrunde richten sich nur diejenigen, die wie wahnsinnig darauflosgaloppieren; und das tun wieder nur Leute, die keine Jäger sind.
Ferner heißt es: »Was ist denn für ein Vergnügen an der Hetzjagd?« Darauf erwidere ich: Im Jahre 18… am 8. November, am Tage des heiligen Michael um acht Uhr morgens fuhr Fräulein … ein Mädchen in vorgerücktem Alter und von respektgebietendem Äußern in einem verdeckten Schlitten aus dem Dorf ihres Bruders, des Herrn … Sie wäre schon tags vorher gefahren, aber es war Tauwetter und starker Schneefall eingetreten, der erst eine Stunde vor Sonnenaufgang nachließ. Die Prophezeiungen der Jäger für den Michaeltag erwiesen sich richtig; es war ein ausgezeichneter Spürschnee. Herr … war Jäger. Der Reitknecht brachte ihm sein Pferd, bestieg selbst das seine, pfiff den Barsois (russische Windhunde), die sich im Neuschnee wälzten und herumspielten, und ritt hinter dem Schlitten ins Freie. Er hatte noch keine zwanzig Faden zurückgelegt, als er rechts vom Wege eine Hasenspur erblickte, die in dem lockern Schnee so deutlich abgedrückt war, daß man jede Zehe erkennen konnte. Die Spur führte zur Tenne. Herr … verfolgte sie. Jetzt verdoppelte sie sich … Plötzlich ein »Haken«, wieder eine doppelte Spur, noch ein Haken, und dann lief alles so durcheinander, daß Herr … sich schweigend nach seinem Reitknecht umsah; beide waren ratlos. Der Reitknecht blickte eine Minute zur Seite, pfiff leise und deutete mit der Hetzpeitsche auf einen kleinen Punkt im Schnee; da war eine Sprungspur, alle vier Pfoten zusammen, dann wieder ein Sprung, die Pfoten schon weiter auseinander, und dann verlief die Spur gerade weiter. Nochmals eine Verdoppelung – da sprang plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, ein Waldhase mit silbergrauem Rücken auf. Die Hunde hinterher; er rannte auf den Weg und schoß direkt auf den Schlitten zu, der in kurzem Trabe vorauffuhr. Fräulein … hörte, daß hinten gehetzt wurde, ließ anhalten und stieg aus dem Schlitten, um die Jagd besser beobachten zu können. Als sie auf den Weg trat, war der Hase nicht mehr als zwanzig Schritte von ihr entfernt. Da sie sah, daß das Tier so in der Nähe war und direkt auf sie zulief, kreischte Fräulein … laut auf und setzte sich, alle Anstandsregeln vergessend, mit ausgebreitetem Überwurf wie eine Gluckhenne mitten auf den Weg. Wahrscheinlich wollte sie den unerfahrenen Hasen mit ihrem Überwurf zudecken, wenn er an sie herankäme. Leider gelang diese List nicht; denn als das Tier die Dame in der sonderbaren Stellung erblickte, ahnte es wahrscheinlich ihre hinterlistigen Gedanken und entsprang, die Ohren zusammenlegend, mit einem Satz den Hunden und stürmte ins freie Feld. Fräulein … die plötzlich all ihre Pläne zerstört sah, kreischte durchdringend: »Ai, ai, haltet ihn, haltet ihn!« nahm ihren Überwurf zusammen und rannte hinterher. Neben dem Wege waren aber Schneewehen, außerdem war der Überwurf aus Fuchsfell schwer, und die weißen Filzstiefel rutschten fortwährend von den Füßen. Sie konnte nicht weiterlaufen, bekam solches Asthma und wurde so erschöpft, daß sie in den Schnee fiel und nur noch sagen konnte: »Was wollt ihr, Leute? Ich freue mich ja so, kann aber nicht mehr.« Sie wurde aufgehoben und in den Schlitten gesetzt; sie konnte vor Müdigkeit kein Wort herausbringen, lächelte aber.
In unserer Gouvernementsstadt wohnte ein Kaufmann Podjemschikow; er stand mit dem Vater in Geschäftsverbindung; dieser hatte ihn wegen seiner Redlichkeit und Akkuratesse sehr gern; die Jagd dagegen liebte P. nicht, sondern äußerte sich über Jäger stets verächtlich.
Einmal überredete ihn der Vater, mit auf die Jagd zu reiten. Er zog seinen langschößigen Kaftan an, bestieg sein Jagdpferd, und die ganze Gesellschaft machte sich auf den Weg. Die Jagd war zunächst kläglich, und das verächtliche Lächeln wich nicht von seinem Gesicht. Endlich kam unmittelbar neben ihm ein weißer Hase auf. Ich folgte ihm während der Hatz, um zu sehen, welchen Eindruck das auf ihn machte. Er galoppierte wie verrückt und stieß bisweilen durchdringendes Geschrei aus; als aber die Hunde den Hasen eingekreist und, wie die Jäger sich ausdrücken, gestellt hatten, kannte sein Entzücken keine Grenzen mehr; er galoppierte immer weiter, stürmte aufs freie Feld und erstickte fast vor Lachen.
Die Hetzjagd war ausgesucht herrlich. Der von allen Seiten eingekreiste Hase machte einen Salto mortale, und ein Hund packte ihn in der Luft.
Trotzdem man dem Herrn von allen Seiten zuschrie: »Reiten Sie die Hunde nicht nieder!« galoppierte er gerade an die Stelle, wo der Hase gepackt war; nicht imstande, sich vor Lachen im Sattel zu halten, fiel er vom Pferde mitten zwischen die Hunde und fuhr, auf der Erde liegend, mit seinem unnatürlichen, aber schon klanglosen Lachen fort. Man hatte Mühe, ihn zu beruhigen. Worüber er eigentlich lachte, ist unbekannt.